Wechselkennzeichen
Ein Kennzeichen für mehrere Autos
Ein Nummernschild für mehrere Fahrzeuge: Die Idee des Wechselkennzeichens soll auch in der Bundesrepublik Realität werden, verzögert sich aber. Der Startschuss war ursprünglich für Mitte 2011 anvisiert. Nach aktuellem Stand der Dinge geht es jetzt 2012 los. Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen für das Wechselkennzeichen merklich verschlechtert. Viele der Vorteile, die Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer bei der Vorstellung seiner Pläne seinerzeit genannt hatte, lösten sich zwischenzeitlich in Luft auf.
Die ursprüngliche Idee
Gefordert worden war das Wechselkennzeichen unter anderem vom Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC). Dahinter standen und stehen auch heute noch vor allen zwei Ziele: Den Absatz von umweltfreundlichen Fahrzeugen und damit auch den Klimaschutz zu fördern. Der Anreiz, sich einen Zweitwagen mit Hybrid- oder Gasantrieb zu kaufen, sollte vor allem finanzieller Natur sein. Statt für jedes Fahrzeug Kfz-Steuer und Kfz-Versicherung bezahlen zu müssen, war vorgesehen, dass nur für das Auto der teuersten Kategorie Versicherungsbeiträge respektive Steuern erhoben werden. An wie vielen Fahrzeugen – im Gespräch waren zwei oder drei – das Wechselkennzeichen angebracht werden darf und welche Optik das Nummernschild haben soll, stand noch nicht fest. Vorausgesetzt wird nach wie vor, dass jeweils nur eines der Autos oder Motorräder am Straßenverkehr teilnehmen darf, während das andere in der Garage oder auf der Auffahrt steht. Für Familien, die auf zwei Fahrzeuge angewiesen sind, bietet das Wechselkennzeichen damit keine Vorteile.
Die neuen Fakten
Inzwischen wurde heftig über das Wechselkennzeichen diskutiert, insbesondere auf politischer Ebene. Das Ergebnis: Die geplante Steuerersparnis entfällt. Auch wenn ein Wechselkennzeichen beantrag wird, muss für jedes Fahrzeug die reguläre Kfz-Steuer gezahlt werden, da das Bundesfinanzministerium nicht auf die Einnahmen verzichten möchte. Alleine diese Entscheidung macht das Wechselkennzeichen bereits deutlich unattraktiver. Der finanzielle Anreiz beschränkt sich damit auf die Kfz-Versicherung. Diesbezüglich wurden noch keine Tarifdetails bekannt. Eine große Ersparnis ist allerdings eher unwahrscheinlich. Hinzu kommt, dass das neue System nur für Fahrzeuge einer Klasse gelten soll, also nicht für ein Auto und ein Motorrad, sondern nur für zwei/drei Autos oder Motorräder. Offen ist auch, ob das Kennzeichen demnächst für zwei oder drei Fahrzeuge gelten soll. Was bleibt, ist der Wunsch von Peter Ramsauer, „die Zulassung mehrerer Fahrzeuge zu vereinfachen und Bürokratie abzubauen“.
Das Wechselkennzeichen in anderen Ländern
Andere Nationen wie die Schweiz, Österreich und Frankreich haben die Idee des Wechselkennzeichens längst umgesetzt und räumen den Haltern deutlich bessere Konditionen ein:
- Österreich: In Österreich dürfen drei Fahrzeuge mit einem Wechselkennzeichen angemeldet werden, sofern sie der gleichen Fahrzeugklasse angehören. Dazu wird eine eigene Zulassungsbestätigung ausgestellt, in der explizit auf das Wechselkennzeichen hingewiesen wird. Kfz-Steuer und Kfz-Versicherung werden nur für das teuerste Modell berechnet.
- Schweiz: Zwei Fahrzeuge der gleichen Kategorie dürfen in der Schweiz mit einem Wechselkennzeichen ausgestattet werden. Wie in Österreich fallen die Kfz-Steuer und der Beitrag für die Autoversicherung nur für das teuerste an Fahrzeug. Extra gezahlt werden muss die Kaskoversicherung für das zweite Auto.
Letzte Aktualisierung des Artikels 04.08.2011